12 August 2005

„Niemand hat vor eine Mauer zu bauen“ – oder: Geschichte, zurück in die Zukunft

Hin und wieder ist es sinnvoll, sich zu vergegenwärtigen, welch politischen Traditionen diese Republik als Erbe mit sich herumträgt. Denn allzu oft können diese Einsichten wertvolle Erkenntnisse über gegenwärtige Vorgänge erklären.

Die Welt (außerhalb Bayerns) fragt sich: Was hat es denn mit Dr. @mund Stoiber und seinen Hau-Den-Ossi-Kommentaren auf sich?

Ein Blick in die Geschichte schafft Abhilfe: 1778 führten Länder des Heiligen Römischen Reiches deutsche Nationen einen erbitterten Erbfolgekrieg, der unter dem Namen „Kartoffelkrieg“ in die Geschichtsbücher eingehen sollte. Wie kam es zu dieser kriegerischen Auseinandersetzung? Preußen wollte mit Österreich Besitz tauschen. Um genau zu sein: anstatt Bayern wollte man lieber die Niederlande besitzen. Auch Bayernbesitzer Österreich war mit diesem Tausch einverstanden – nur das süddeutsche Tauschobjekt nicht. Und schon schickte man Soldaten ins Feld.
Auch aus heutiger Sicht mag so manchem Preußen dieser Tausch (CSU gegen holländische Liberalität) durchaus einleuchten. Was aber ebenso einleuchten muss, ist die psychologische Verfassung mit der der durchschnittliche Bajuwaren-Nachkömmling (Stoiber that is) in die Gegenwart entlassen wird. Wie soll er sich denn fühlen der Bayer, wenn ihn da der Ossi loswerden wollte (der Preis zumal noch ein Land ganz ohne Berge!)? Ist doch klar, dass der Erzfeind „frustiert“ sein muss.
Letztlich fragt sich nur, wer hier trotzig das eingeschnappte Kind spielt. Und ob Beckenbauer auch Präsident von Ajax werden würde...